Das Wuchsverhalten von Stauden -  Die Strategietypen

Wie verhalten sich Pflanzen? Wie alt werden Stauden? Ihre Bandbreite ist groß! Wie schnell oder langsam entwickeln sie sich? Auch hier: manche sehr schnell, andere brauchen Jahre. Sehr unterschiedlich ist nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr Ausbreitungsdrang. Wie sieht mein Staudenbeet in ein paar Jahren aus?

Für die Verwendung und Pflege von Stauden ist es interessant eine Vorstellung vom kurz- und längerfristigen Verhalten der verwendeten Arten zu bekommen. Denn viele Fehler lassen sich vermeiden, wenn man weiß wie Pflanzen "ticken"!

Was sind Strategietypen?

Trotz ihrer enormen Vielfalt lassen sich bei Pflanzen einige wiederkehrende Grundverhaltensmuster (Strategien) erkennen, die es ihnen ermöglichen auf den unterschiedlichsten Standorten und in Konkurrenz zu anderen Pflanzen zu überleben und sich zu verbreiten. Denn Pflanzen reagieren höchst unterschiedlich auf die zwei prägenden Wachstumsbeschränkungen, nämlich Stress (standortabhängige fehlende Nährstoffverfügbarkeit) und Störungen (Zerstörung von Biomasse). Durch die Gesamtheit vielfältiger morphologischer und physiologischer Anpassungen entstehen typische Verhaltensmuster, deren extremste Ausprägungen (Primärstrategien) die Spitzen eines Modell - Dreiecks bilden.

GRIME (1979, 2001) entwickelte sein bekanntes Dreiecksmodell mit folgenden primären Strategietypen:

  • R-(Ruderal)-Strategen (störungstolerante Pflanzen)
  • C-("Competitive" bzw. Konkurrenz)-Strategen (konkurrenzstarke Pflanzen) und
  • S-(Stress)-Strategen (stresstolerante Pflanzen)

Fokus auf die Stauden

In der Natur wie auch im Garten sind Mischtypen die Regel. Gerade Stauden vereinigen mehrere oder alle Strategien mehr oder minder ausgeprägt in ihrem Wuchsverhalten. Sie vertragen, bzw. profitieren in gewissen Rahmen von moderaten Störungen, vertragen auch moderaten Stress, viele sind durchaus wuchsstark. Für den Zweck der Staudenverwendung, wenden wir uns mit den Stauden besonders der Mitte des Dreiecks zu, denn dort konzentrieren sie sich. Durch diesen Betrachtungsfokus lassen sich die Stauden besser differenzieren (vgl. Molz 2006: 27). Andere Lebensformen (Bäume, Sträucher, Moose und Flechten, sowie einjährige Pflanzen) werden durch diese Fokussierung weitgehend ausgeblendet.

Ein neues Planungsinstrument

An dieser Stelle findet sich das stets vorläufige Ergebnis ein breiteres Gartenstaudensortiment differenziert aber sehr konkret in das Grime-Modell einzuordnen! Die empirische Methodik hierzu wurde basierend auf eigenen langjährigen Beobachtungen und Dokumentationen und der von Grime vorgeschlagenen Parametern weiterentwickelt und veröffentlicht (Einteilungstabellen nach Molz 2006: Tabelle1 und Tabelle2).

Bei aller gebotenen Vorsicht, die bei der nicht immer leichten Gewichtung der zuweilen nicht eindeutigen Faktoren geboten ist, hoffen wir uns dem Wesen der Stauden hinreichend genau genähert zu haben, um die erfolgten Einordnungen als praxisrelevant vertreten zu können.

Wir weisen darauf hin, dass eine seriöse Einordung stets nur tendenziell erfolgen kann und sicherlich in so manchem Einzelfall auch hätte anders erfolgen können. Die Arbeit ist weit gediehen, aber sicherlich sind gewisse Nachjustierungen denkbar oder nötig. Alle interessierten Pflanzenkenner bitten wir ausdrücklich um kritische Rückmeldungen.
Hinweis: Dem aufmerksamen Analytiker mag auffallen, dass drei weitere Zwischenkategorien fehlen (CS-CSR; R-RS und RS-CSR). Der Grund ist einfach der, dass nicht alle theoretisch denkbaren Kategorien auch gartenrelevante Stauden enthalten, so haben wir sie übergangen.

Literatur zum Thema:
Grime, John Philip (1979): Plant Strategies and Vegetation Processes. Wiley und Sons, Chichester.
Grime, John Philip (2001): Plant Strategies, Vegetation Processes and Ecosystem Properties. 2nd Ed. Wiley und Sons, Chichester.
Klotz, S., I. Kühn und W. Durka [Hrsg.] (2002): BIOLFLOR - Eine Datenbank zu biologisch-ökologischen Merkmalen der Gefäßpflanzen in Deutschland. Schriftenreihe für Vegetationskunde 38. Bonn: BfN. BiolFlor Version 1.1 (Web-Service http://www2.ufz.de/biolflor/userman/register.jsp
Schmidt, Cassian und Till Hofmann (2003): Dauerhafte Staudenpflanzungen. GrünForum.LA 33 (8): 33-38.
Schmidt, Cassian (2006): Ökologische Strategien und Staudenpflege. Gartenpraxis 32 (4): 28?35.
Molz, Stefanie (2006): Dynamik nutzen - Anwendung syndynamischer Systeme in der Pflanzenverwendung

Pflanzen nach Strategietyp auswählen

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