TIPPs  zum selber planen

Wir haben unser breites Sortiment in unserem Staudenshop nach Standorten, Farben und Blütezeit gegliedert, so finden Sie sich leicht zurecht und planen die Bepflanzung Ihres Gartens selber.

Auch für typische „Problemstandorte“ mit schwierigen Wachstumsbedingungen haben wir eine passende Auswahl  vorbereitet, Sie werden überrascht sein „was da noch geht“.

Die individuelle Auswahl geeigneter Pflanzen für ein bestimmtes Vorhaben macht Spaß, erfordert jedoch ein bisschen Zeit und/oder Erfahrung.  Unsere Staudenpakete werden vielen Situationen in Hausgärten gerecht, bei deren Konzeption wurden die unten folgenden Ausführungen bereits berücksichtigt. Fertige Staudenpakete sind sozusagen die Abkürzung. Eine fachgerechte und nachhaltige Bepflanzung mit einem gewissen Pepp wird damit kinderleicht!

Selber planen: Erster Schritt, Themenfindung:

Die Vielfalt der Stauden ist riesig, für beinahe jeden Gartenwinkel gibt es viele geeignete Arten. Es besteht die Qual der Wahl. Zwar macht das reine Sammeln zunächst Freude, wir finden ist es aber gestalterisch sinnvoller und auf Dauer befriedigender, sich von vorne herein auf ein glaubwürdiges Thema für eine Pflanzung zu beschränken. Die Themenfindung kommt zunächst noch ohne genauere Betrachtung der dafür geeigneten Pflanzen aus. Man überlegt sich zunächst welche Art von Vegetation man an dieser Stelle möchte. Wie hoch? Wie dicht? Eher luftig leicht und vielfältig oder besser niedrig, ruhig und einheitlich? Wintergrün oder sommergrün? Nichts kann immerzu blühen, wann braucht es einen Schwerpunkt? Abhängig von der Standortsituation ergeben sich häufig allein durch die Einschränkungen die manche Standorte mit sich bringen geeignete Themen. Ein Waldgarten im Schatten oder ein Mauer- oder Felsgarten an einem steilen sonnigen Südhang etwa sind Themen, die sich entsprechend anbieten. Vielleicht ein sonniger Kiesgarten mit Steppenvegetation statt einer langweiligen Rasenfläche? Vielleicht ein Gräsergarten als abstrahierte Wiese? Besser eine richtige Wiese mit vielen Bienen und Schmetterlingen? Weitere von natürlicher Vegetation inspirierte Themen wären etwa ein Heidegarten oder eine artenreich blühende Gebüschsaumvegetation.

Beliebt sind romantische Rosengärten nach historischem Vorbild, die man übrigens auch modern interpretieren kann. Ein klassischer Bauerngarten mit Gemüse, Kräutern und üppigen Beetstauden bringt nicht nur Mehrwert in Form der Ernte, sondern ist etwas für Herz und Seele, fördert zudem das gärtnerische Geschick und Verständnis. Ob es ein fernöstlich inspiriertes Gartenbild sein darf, puristisch reduziert (aber nicht öde) oder rein artifizielle Themen experimentell zur Realisierung stehen, es handelt sich um Zitate oder Interpretationen von Gartenkultur im weitesten Sinne. Auch Pflanzungen mit  Farbthemen, wie etwa den berühmten English Borders gehören dazu und stellen eine reizvolle und nicht triviale Aufgabe dar. Was immer gewählt wird, das Thema und seine Bepflanzung sollte stets glaubhaft zur Umgebung passen, bzw. einen spannenden Kontrast zu ihr bieten. Das gewählte Thema gilt es anschließend glaubhaft mit der nötigen Konsequenz umzusetzen.  Erst jetzt denkt man intensiver über eine Pflanzenzusammenstellung nach.

Eine Herausforderung ist stets der zeitliche Ablauf während des Jahres. Dieser ist nie völlig in den Griff zu bekommen, da der Witterungsverlauf eine große Rolle spielt, kleine Überraschungen gehören dazu. Bevor oder während man sich für konkrete Pflanzen entscheidet werden zunächst Funktionen verteilt. Erst im zweiten Schritt werden den Funktionen dann Pflanzen zugeordnet, welche die zugedachten Funktionen am vorliegenden Standort (hoffentlich) gut erfüllen können. Das klingt langweilig oder technokratisch, lohnt aber die Mühe. Denn eine Hierarchie verleiht jeder Pflanzung eine innere Ordnung und mindert die Gefahr dass es unruhig wirkt und optisch auseinanderfällt. Je besser das Thema und die Hierarchie erkennbar sind, desto besser die Wirkung.

Hierarchische Pflanzplanung mit Hilfe von Funktionen:

Jede Vegetation besteht aus einem mehr oder minder ausgeprägten Stockwerksaufbau. Für eine auf Dauer angelegte Staudenpflanzung empfiehlt sich dieses natürliche Prinzip zu übernehmen, denn so weichen die Pflanzen einander auf beschränkten Raum ein Stück weit aus, zudem wächst weniger Unkraut, wenn alle Nischen besetzt sind.

 „Gerüstpflanzen“, bilden die oberste Schicht. Diese darf nicht zu dicht werden, um den darunter liegenden Arten noch genug Licht zukommen zu lassen, daher sollten die Gerüstpflanzen (es können mehrere Arten sein) insgesamt nicht mehr als etwa 5-10% der Gesamtmenge stellen. Gerüstpflanzen sind bestimmte Stauden, Gräser oder auch Gehölze mit der Aufgabe über weite Teile der Vegetationsperiode eine gliedernde, eben gerüstbildende Funktion innerhalb der Pflanzung zu erfüllen. Dafür sollte ihre Wuchshöhe wenigstens etwas über den anderen Pflanzen liegen. Solitärpflanzen sind innerhalb der Gruppe der Gerüststauden einzeln oder in weiträumiger Wiederholung verwendete Einzelexemplare besonders markanter Großstauden, -Gräser oder Gehölze. Sie können in bestimmten Fällen als Zugabe eindrucksvoll sein, benötigen jedoch viel Raum um zu wirken. Ob man sie braucht, hängt von der Situation ab.

 „Gruppenstauden“, wie der Name sagt, werden sie gerne zu mehreren Exemplaren gepflanzt, um ihre Wirkung zu steigern. Ihre Funktion ist in erster Linie die mittlere Hierarchieebene auszufüllen und möglichst attraktive Aspekte zur Gesamtpflanzung beizusteuern. Es handelt sich beispielsweise um Massenblüher mit wenig eigener Struktur, wie etwa manche Storchschnabel oder Astern. Ihr Anteil an der Gesamtmenge sollte ca. zwischen 20-30% betragen. Während des Jahresverlaufs wird es i.d.R. sinnvoll sein verschiedene Arten als Gruppenstauden auszuwählen, um durch abwechselnde Blüh- und Farbaspekte ein langfristig attraktives Bild zu erhalten.

„Bodendeckstauden“  stellen die untere Hierarchieebene, von ihnen wird die größte Individuenzahl benötigt. Der Anteil an der Gesamtmenge dieser in Relation zu den vorherigen niedriger wachsenden Arten liegt bei 40-50%. Ihre Wirkung sollte, ähnlich wie bei den Gerüstpflanzen möglichst lange anhaltend sein, ihre Blütenwirkung ist eher sekundär. Sie decken den Boden dauerhaft und konsequent ab und ordnen gemeinsam mit den Gerüstpflanzen die Pflanzung. Von einer „Matrixpflanzung“ spricht man, wenn eine bodendeckende Art vorherrschend ist und weitere Arten dort eingebettet sind und aus dieser Grundmatrix herausragen. Einerseits sollen die Bodendecker ihrer Aufgabe gemäß den Boden rasch und konsequent bedecken und eventuelle Lücken schließen, andererseits die Gruppenstauden nicht verdrängen. Um ständigen Pflegeeinsätzen vorzubeugen, ist hier genau auf die Konkurrenzverhältnisse der diversen Arten untereinander in Bezug zum vorliegenden Standort zu achten. Dies gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Pflanzplanung.

„Streupflanzen“ sind vor allem in der frühen Phase einer Pflanzung, also in den ersten Jahren wertvoll. Sie sind meist eher kurzlebig oder im Falle von Zwiebelpflanzen nur für einen kurze Zeit im Jahr prägend. Streupflanzen entwickeln sich rasch und reichern mit ihren oft reichen Blühaspekten die noch nicht geschlossene Pflanzung an. Später können sie sich durch Selbstversamung neu entstandene Lücken erschließen, andernfalls verschwinden sie über die Jahre allmählich. Sie sind ein bisschen wie das Salz in der Suppe. Sie brauchen Freiheit und wohlwollende Unterstützung, um ihre Dynamik ausleben zu dürfen, freilich ohne sich total breit zu machen. Der Name leitet sich davon ab, dass sie einzeln in die Pflanzung eingestreut werden. Ihr Anteil sollte zu Beginn bei etwa 5% an der Gesamtmenge liegen.

Das Auslegen der Stauden auf der Fläche

Wenn es später darum geht die Pflanzung zu realisieren werden die Stauden  genau in der obigen Reihenfolge auf der Fläche ausgelegt. Mit dem Anordnungsmuster zunächst der Gerüststauden und danach den anderen Pflanzen ergeben sich starke gestalterische Konsequenzen. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich die Pflanzen in welcher Form auch immer zu gruppieren oder siebewusst gemischt zu pflanzen. Dabei ist zu bedenken, dass jede Art von Gruppierung durch Pflege gegenüber der natürlichen Entwicklung „verteidigt“ werden muss. Mischpflanzungen hingegen ihre Dynamik in großen Teilen ausleben dürfen, also in dieser Hinsicht viel weniger Pflegeeingriffe benötigen.

Literatur zum Thema:

Prof. Dr. Jürgen Bouillon (Herausgeber): Handbuch der Staudenverwendung, aus dem Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner, Gebundene Ausgabe – Verlag Eugen Ulmer 2013